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Historische Entscheidung: Gibraltar ändert Glücksspielgesetze

Gibraltar war jahrelang eine der beiden Top-Anlaufstellen für Glücksspielunternehmen in Europa. Neben Malta konnte das kleine Land südlich von Spanien zahlreiche Glücksspielkonzerne anlocken und diesen attraktive Rahmenbedingungen für ihre Geschäfte bieten. Mittlerweile hat sich die Ausgangslage jedoch spürbar verändert. Die Glücksspielgesetze aus 2005 wirken nicht mehr zeitgemäß. Zudem steht das Land im Glücksspiel vor ganz besonderen Herausforderungen. Aus diesen Gründen sollen die Glücksspielgesetze nun angepasst werden. Noch in diesem Sommer wird über die Reformen entschieden.

Gibraltar.

Gibraltar steht der Glücksspielbranche seit Jahren sehr offen gegenüber. Nun wird das Glücksspielgesetz des Landes umfangreich reformiert. (©ELG21/Pixabay)

Gibraltar: Altes Glücksspielgesetz nicht mehr zeitgemäß

Gibraltar steht in der Glücksspielbranche für Traditionen und zuverlässige Arbeit. Über die letzten Jahre hinweg konnte das britische Überseegebiet zahlreiche Unternehmen von seinen Qualitäten überzeugen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Anbieter mit ihrer Lizenz aus Gibraltar in ganz Europa aktiv werden durften. Genau aus diesem Grund sind die Änderungen im Glücksspielgesetz Gibraltars auch für Spieler hierzulande relevant. Nicht wenige legale Wettanbieter und seriöse Online Casinos agieren mit einer Lizenz der dortigen Behörden auch in Deutschland.

Das Problem: Die aktuellen Glücksspielgesetze wurden bereits im Jahre 2005 verabschiedet. Rund 17 Jahre später scheinen diese nicht mehr zeitgemäß. Die Regierungsbehörde des Landes reagiert nun darauf. Die gute Nachricht für die Branche: Im Entwurf ist verankert, dass sich an der grundsätzlichen Beziehung zwischen Industrie und Land nicht viel ändern soll. Auch weiterhin möchte Gibraltar also als „sicherer Hafen“ für die Branche auftreten. Dennoch werden auf die Lizenznehmer einige Veränderungen zukommen.

Extreme Abwanderung der Glücksspielunternehmen nach Malta

Dass eine Reform der Glücksspielgesetze überhaupt erforderlich ist, dürfte auch mit dem Brexit zu tun haben. Als britisches Überseegebiet gehört Gibraltar auf dem Papier zu Großbritannien. Durch den Austritt des Königreiches aus der Europäischen Union ist auch Gibraltar nicht mehr Teil der Union. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Wirksamkeit der gibraltarischen Glücksspiellizenzen. Seit dem Austritt berechtigen diese nämlich nicht mehr zum Angebot der eigenen Spiele innerhalb der gesamt Europäischen Union. Die Folge der Entscheidung: Viele Unternehmen, die auf Gibraltar beheimatet waren, haben mittlerweile ihren Standort gewechselt und sind nach Malta umgezogen. Allerdings zeigt sich auf die Glücksspiellandschaft in Malta im Wandel, vor allem im Bereich Sportwetten.

Wie es von Seiten der Regierungsbehörden heißt, möchte man mit dem sogenannten Gambling Act 2022 nun dafür sorgen, dass Gibraltar wieder ein starker, attraktiver und seriöser Standort für die Branche darstellen kann.

Wichtige Entscheidungen: Es geht um Arbeitsplätze und die Wirtschaft

Für die zuständige Behörde in Gibraltar wird die Reform der Gesetze eine ganze Menge Arbeit bedeuten. Wie diese bereits mitteilte, soll das Glücksspiel keinesfalls aus dem Land verbannt werden. Das wäre wohl auch nicht möglich. Ein Großteil des kleinen Landes ist vor allem auf die Glücksspielbranche ausgerichtet. Gelder aus dieser Industrie werden in anderen Bereichen verwendet, zudem stellt die Glücksspielindustrie eine Vielzahl von Arbeitsplätzen bereit. Würde die Branche gänzlich in sich zerfallen, wären überlebenswichtige Strukturen der Landwirtschaft zerstört. Ein Szenario, welches es auch Sicht der Politik unbedingt zu vermeiden gilt.

Kurios übrigens: Die Regierung Gibraltars muss der Gesetzesform natürlich zustimmen. Allerdings dürfte es sich bei der Zustimmung mehr um eine reine „Formsache“ handeln. Immerhin haben die Behörden selbst an dem Papier mitgearbeitet. Eine Ablehnung gilt auch deshalb als ausgeschlossen.

Schwieriger Balanceakt: Attraktive Rahmenbedingungen und besserer Spielerschutz

Obwohl das Ziel mit dem Erhalt der Glücksspielbranche klar ist, wird der Weg dahin durchaus komplex. Die Politik möchte einen Balanceakt schaffen und sowohl für einen attraktiven Standort als auch für einen sicheren Rahmen für die Spieler sorgen. Ein wichtiger Punkt ist dabei im Gesetzesentwurf die Präsenz innerhalb des Landes. Unternehmen müssen diese künftig demnach ausweiten und könnten bei einem Verstoß gegen die Anforderungen sogar ihre Lizenz verlieren. Überprüft werden in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Anzahl der Mitarbeiter innerhalb des Landes, der Umfang der technischen Ausrüstung vor Ort und der Anzahl der Liegenschaften im Land. Künftig müssen die Unternehmen laut Gesetzesentwurf in diesen Bereichen verschiedene Mindeststandards einhalten. Die Idee dahinter ist klar: Die Konzerne sollen stärker im Land verankert werden. Zum einen, um die eigene Wirtschaft weiter zu stützen. Zum anderen, um auch gewisse Hürden vor einer weiteren Abwanderung zu schaffen.

Weitere Kernthemen der neuen Gesetzgebung sind der Umgang mit dem Spieler- und Verbraucherschutz, die Förderung des verantwortungsbewussten Glücksspiels und die Prävention vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Objektiv betrachtet sind dies lobenswerte und erfreuliche Ansätze. Für die Unternehmen bedeuten diese allerdings erfahrungsgemäß deutliche Einschränkungen und Vorgaben. Es ist deshalb schwer vorstellbar, dass zu strenge Anforderungen wirklich für eine höhere „Anziehungskraft“ Gibraltars sorgen können.

Großes Fragezeichen beim Umgang mit der Steuer

Finale Entscheidungen über den Gesetzesentwurf sollen noch in diesem Sommer getroffen werden. Bis August können demnach noch Änderungen vorgenommen werden. Dass es dazu kommt, gilt als sicher. So ist die Gibraltar Gaming and Betting Association zum Beispiel auch für die Werberichtlinien, den Schutz der persönlichen Spielerdaten oder die Erhebung von Steuern zuständig. Speziell Letzteres könnte zu einem echten Knackpunkt im Gesetzesentwurf werden. Mit jeweils einem Prozent Abgabe von Umsatz und Gewinn waren die Unternehmen in Gibraltar bisher gut aufgehoben. Justierungen nach oben könnten also schwere Folge haben und die Attraktivität des Standortes deutlich verringern. Weiter verringern lassen sich die Steuern jedoch kaum. Immerhin sind diese Einnahmen maßgeblich für die Unterstützung zahlreicher öffentlicher Einrichtungen und Strukturen erforderlich.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Gibraltar vor enormen Herausforderungen in der Glücksspielbranche steht. Die Abwanderung vieler Unternehmen erhöht den Druck auf das Land, welches maßgeblich von den Einnahmen dieser Branche abhängig ist. Bis zum finalen Tag im August werden hier also vermutlich noch einige spannende Entscheidungen getroffen werden müssen.

Der Beitrag wurde am 20.6.2022 in dem Magazin von cpaws-ov.org unter den Schlagwörtern , veröffentlicht.
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